Natur- und Waldkindergarten Teningen e.V.

verfasst von Melanie Kleff und Sigrun Reifsteck. Stand November 2009

 

Konzeption für die Waldspielgruppe „Waldmäuse"

1. Rahmenbedingungen

1.1 Träger:

Träger ist der staatlich anerkannte Verein Natur- und Waldkindergarten Teningen e. V.. Dieser besteht seit Juni 2001.

1.2 Anschrift:

Natur- und Waldkindergarten Teningen e.V.

Forsthausstr. 2

79331 Teningen

1.3 Öffnungszeiten

Unsere Waldspielgruppe findet montags, dienstags, mittwochs und donnerstags von 8.30 Uhr bis 12.15 Uhr statt. Ausnahmen bilden gesetzliche Feiertage und Schließtage. Diese werden jährlich festgelegt.

1.4 Gruppengröße

Unsere Waldspielgruppe bietet Platz für 8 Kinder zwischen 2 und 3 Jahren.

1.5 Das Waldmäuse-Team

Das Waldmäuse-Team besteht aus einer pädagogischen Fachkraft und einer Zweitkraft.

Einmal wöchentlich treffen wir uns zur Teambesprechung. Mindestens einmal im Monat findet ein Treffen mit dem Vorstand zum Austausch über Theorie und Praxis statt.

Wir nehmen regelmäßig an Fortbildungen und Tagungen teil.

Ebenfalls besteht die Möglichkeit zur Supervision.

1.6 Räumlichkeiten

Grundsätzlich finden alle Aktivitäten im Freien auf Wald und Wiesen rund um den Teninger Allmendparkplatz statt.

Auf einer gepachteten Wiese nahe der Teninger Allmend befindet sich unser gemütlich eingerichteter Zirkuswagen mit Ofen, in dem wir bei starkem Regenfall Zuflucht suchen und uns im Winter zum vespern und für die Wickelzeit zurückziehen können. Er hat eine gemütliche Kuschelecke und vielseitige Spielmöglichkeiten für ganz kalte oder stark verregnete Vormittage.

Bring- und Abholplatz ist der Parkplatz in der Teninger Allmend.

2. Zusammenarbeit mit den Eltern

2.1 Schnuppertage

Wenn Interesse an einem Platz bei den Waldmäusen besteht, bieten wir Schnuppertage an, an denen ein Elternteil und das Kind an unserem üblichen Tagesablauf teilnehmen können .

Dies kann für das Kind schon der erste Schritt der Eingewöhnung sein.

2.2 Eingewöhnungsphase

Die Eingewöhnungszeit ist eine besonders sensible Phase für alle Beteiligten.

Das Kind lernt seine neue Waldumgebung kennen, gewöhnt sich an unseren Tagesablauf, begegnet zunächst fremden Kindern und Erwachsenen und baut zu ihnen erste Beziehungen auf. Es erhält die jeweils angemessene Zeit und Ruhe, um den Ablöseprozess von den Eltern mit einem Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit bewältigen zu können. Auch der Ablöseprozess der Eltern ist uns sehr wichtig, denn das Vertrauen der Eltern überträgt sich auf das Wohlbefinden des Kindes.

Zu Beginn sollte ein Elternteil ständig anwesend sein, damit sich das Kind ohne Angst mit der neuen Umgebung vertraut machen kann. Nach und nach treten die Eltern in den Hintergrund bis sie sich für eine Zeitspanne von ihrem Kind verabschieden. Dabei sollten Eltern sich nicht 'davonschleichen': durch eine bewusste Verabschiedung werden die Kinder als Gegenüber im gemeinsamen Prozess ernst genommen. Dauer und Ablauf der Eingewöhnungsphase richten sich ausdrücklich nach den Möglichkeiten des einzelnen Kindes. Sie können sehr unterschiedlich ausfallen.

2.3 Ausrüstung der Kinder

Ihr Kind wird bei jedem Wetter draußen sein. Es sollte immer dem Wetter entsprechend gekleidet sein und für eventuell wechselnde Witterung gewappnet sein.

Wir haben im Bauwagen Wechselkleidung für die Kinder. Dieser Vorrat lebt davon, dass Eltern aussortierte Kleidung und Schuhe dort hingeben.

Ihr Kind braucht:

Im Allgemeinen:

kleiner Rucksack

Trinkflasche – im Winter warmes Getränk

Vesperdose

gutes Schuhwerk

Kleidung für eventuelle Wetterumschwünge

Bei Regenwetter:

Gummistiefel

Regen-/Matschhose

Regenjacke

Im Frühjahr/Sommer:

leichte, langärmlige Kleidung (Schutz vor Zecken)

Kappe/Sonnenhut/-tuch

Kind mit Sonnenschutzmittel einreiben

Im Herbst/Winter:

Wärmende Mütze

Handschuhe und Zweithandschuhe

Wärmendes Schuhwerk

am besten Zwiebellook, mehrere Schichten übereinander

2.4 Arbeitseinsätze der Eltern

Da wir eine Elterninitiative sind, benötigen wir die Mithilfe der Eltern. Regelmäßig fallen kleinere Arbeiten wie Gelände- und Zirkuswagenpflege, Brennholz sägen etc an. Diese Arbeiten bilden eine Grundlage für einen guten Waldspielgruppenalltag und sollten von den Eltern übernommen werden.

Weiterhin benötigen wir die Mithilfe bei der Bereitstellung von Trinkwasser (1 Kanister mit Frischwasser wird täglich von einem Elternteil mitgebracht) und der Windelentsorgung.

2.5.Elterngespräche

Beim Bringen und Abholen des Kindes besteht die Möglichkeit für einen kurzen Informationsaustausch.

Darüber hinaus kann auf Wunsch gerne ein Termin für ein Elterngespräch mit dem Team vereinbart werden. Wir berichten gerne über den Entwicklungsstand, die Fortschritte, das Spielverhalten und unsere Wahrnehmung des Kindes in der Waldspielgruppe. Darüber hinaus ist es uns wichtig, etwas über das Verhalten des Kindes zu Hause, über besondere Ereignisse oder Veränderungen zu erfahren, um einem evtl. veränderten Verhalten des Kindes positiv begegnen zu können.

2.6 Elternabende

Es finden mindestens zwei Elternabende im Jahr statt. Wir kündigen diese möglichst frühzeitig durch einen kurzen Elternbrief an. Darin geben wir auch die jeweiligen Themen bekannt.

2.7 Tagesberichte

Über wichtige Ereignisse in unserem Tagesablauf können die Eltern sich täglich an der Waldkindergartenstellwand informieren.

2.8 Elternbriefe

Aktuelle Anlässe, Termine, Ausflüge und wichtige Mitteilungen erreichen die Eltern zusätzlich durch einen Elternbrief. Dieser ist wichtiger Baustein für die Transparenz unserer Arbeit und bildet einen ergänzenden Teil in der Kommunikation zwischen Waldmäuse-Team und Eltern.

3. Pädagogisches Konzept

Als Basis unseres Miteinanders mit den Kindern sehen wir den wertschätzenden und respektvollen Umgang miteinander. Wir sehen sie als eigenständige Wesen an, schätzen ihre besondere Art zu sein und die Welt zu verstehen. Ihren enormen Reichtum an Fähigkeiten und Potenzialen nehmen wir als Ausgangspunkt für unser pädagogisches Handeln, das heißt, wir trauen ihnen viel zu.

3.1. Unser pädagogisches Selbstverständnis

Wir sind uns darüber bewußt, dass unsere liebevolle, offene und zugewandte Präsenz einer der wichtigsten Nährboden für eine positive und gedeihende Entwicklung der Kinder ist. Deshalb reflektieren wir unser eigenes Verhalten in regelmäßigen Gesprächen im Team.

Wir sehen unsere Aufgabe darin, eine sichere, geborgene Atmosphäre zu schaffen, in der die Kinder ungestört ihrem Spiel/ihren Interessen nachgehen können. Wir beobachten die Kinder und ihre Bedürfnisse, je nach Situation belassen wir sie im freien Spiel, bieten spontan Impulse und Ideen an oder machen angeleitete Angebote. Gemeinsam mit den Kindern gestalten wir so unser Gruppenleben.

Tagesstruktur und Regeln bieten Anhalt und Sicherheit. Wir verstehen uns als Vorbilder in unserem herzlichen, aber konsequenten Handeln. Uns ist es wichtig, die Kinder so viel wie möglich selbst machen zu lassen. Wir bieten Hilfestellung dort, wo sie gebraucht wird.

3.2 Wald und Wiese

Für viele Kinder ist es etwas ganz Neues, regelmäßig in Wald und Wiese unterwegs zu sein, über unebene Wege zu „tolpern", das Rascheln der Blätter und das Zwitschern der Vögel zu hören usw.. Die Kinder machen Erfahrungen ganz elementarer Art.

Der Wald schenkt den Kindern natürliches Spielmaterial in Hülle und Fülle. Sie improvisieren mit Vorhandenem, nutzen ihre Phantasie. Steine, Stöckchen, Eicheln oder Gräser werden zu Bohrer, Brot oder Himbeereis. Sträucher dienen dem Verstecken, umgestürzte Bäume dem Balancieren, unterschiedlichste Hindernisse werden erklommen oder überwunden. Die Kinder lernen Risiken einzuschätzen und Wagnisse einzugehen, sie erproben ihre Kräfte und entwickeln ihre Geschicklichkeit. Es wird gematscht, Schnee mit der Zunge gefangen, sich unter Blättern vergraben und am Feuer gewärmt. Alle Sinne werden angesprochen, die Kinder erleben, ertasten, erfahren, erfühlen die Natur. Sie erleben die Qualitäten jeder Jahreszeit unmittelbar, mit ihnen die Unterschiedlichkeit der Elemente im Jahreslauf.

Wald und Wiese sprechen die Kinder ganzheitlich, auf allen Ebenen ihrer Persönlichkeit an. Sie regen ihre Entwicklung in einer Weise an, die ihnen einfach gut tut und Freude bereitet. Der natürlicher Weise vorhandene positive Bezug zur Natur wird erhalten und mit Erlebnissen und Erfahrungen gefüllt und so gestärkt. Sinnlichkeit, Körperlichkeit und Phantasie werden intensiv angesprochen, Stress und Aggression abgebaut, sodass ein gutes Körpergefühl entsteht – Basis eines sich entwickelnden Selbstbewusstseins.

3.3 Waldregeln

Bei uns gibt es einige feste Regeln und Grenzen, die sich an Notwendigkeiten, die Aufenthalte in der Natur erfordern, orientieren und von den Kindern nachvollziehbar sind. So lernen die Kinder zum Beispiel, daß das Hände waschen vor dem Frühstück wichtig ist und daß außer dem mitgebrachten Frühstück nichts im Wald gegessen wird, weder Beeren noch Pilze. Sie lernen, an unseren „aldhaltestellen" zu warten, damit kein Kind verloren geht und daß sie ausschwärmen dürfen, solange sie in Sichtweite bleiben. Außerdem wird ein achtsamer Umgang mit der Natur vermittelt: wir lassen keinen Müll im Wald zurück und werkeln und bauen nur mit „otholz" usw.

Natürlich gibt es noch mehr Regeln und Absprachen, die den Waldspielgruppenalltag begleiten, die oben genannten stellen jedoch die wichtigsten dar.

3.4 Umgang mit Gefahren im Wald

Der Aufenthalt im Wald birgt seine eigenen Gefahren, die eine besondere Vorsorge von uns erfordern: auf unebenen Untergründen kann man sich das Bein verstauchen, von glitschigen Baumstämmen rutschen, Äste können herunterfallen usw. Wir versuchen diese Gefahren zu minimieren, indem wir die Kinder auf mögliche Gefahrenquellen hinweisen und sie an den Umgang mit Gefahren ermutigend heranführen. So können sie frühzeitig lernen, mit diesen Gefahren umzugehen und ihre eigenen Möglichkeiten dabei richtig einzuschätzen.

Falls doch einmal eine Notfallsituation eintritt, sind wir mit Erste Hilfe Sets und Mobiltelefonen ausgerüstet. Mindestens ein Teammitglied hat einen Erste Hilfe Kurs am Kind absolviert.

3.5Tagesablauf

Unser Vormittag ist eine Abenteuertour durch Wald und Wiese. Wir brechen zu Orten auf, die unterschiedliche Spiel-, Wahrnehmungs- und Bewegungsanregungen bieten – jeder Ort erzählt uns eine eigene Geschichte – jeden Tag, bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit eine andere. Beim Gehen bestimmen die Kinder das Tempo. Der Weg selbst bietet unzählige Möglichkeiten zum Erforschen und Entdecken, zum Spielen, Sammeln, Erzählen und zur Sinneswahrnehmung.

Neben dem freien Spiel wird unser Tagesablauf von täglich wiederkehrenden Ritualen bestimmt. Dabei findet jedes Kind seinen Platz im Kreis und es entsteht durch Lieder, Sprüche, Spiele und andere Aktivitäten ein Raum der Gemeinsamkeit, der Geborgenheit in der Gruppe. Unsere Rituale strukturieren den Alltag der Spielgruppe, so dass die Kinder sich darin zeitlich orientieren können und Anhaltspunkte, eine Sicherheit erhalten.

Wenn es heftig regnet oder es sehr kalt ist, wird der Vormittag am Bauwagen verbracht.

Morgenkreis

In der Nähe des Parkplatzes befindet sich im Wald unser Morgenkreisplatz. Hier begrüßen wir uns mit einem Lied und schauen gemeinsam anhand von Fotos, welches Kind da ist und welches fehlt. Die Fotos von den anwesenden Kindern hängen wir an unsere Waldleine.

Jetzt ist noch Zeit für ein Bewegungs- oder Fingerspiel, für eine kurze Geschichte oder ein lustiges Spiel mit der Handpuppe.

Frühstück im Wald

Vor dem Frühstück waschen wir uns die Hände. Dafür benutzen wir umweltneutrale Seife, frisches Wasser aus dem Kanister und ein Handtuch.

An geeigneter Stelle setzen wir uns zusammen in den Kreis. Wir beginnen gemeinsam mit einem „ischspruch", bevor in ruhiger Atmosphäre nach Herzenslust gevespert wird. Wer mag, darf dann auch das ein oder andere tauschen.

Nach dem Essen bieten wir je nach Bedarf und Jahreszeit gemeinsame Aktivitäten oder eine Ruhepause (Bewegungsspiele, Lieder, Bilderbuch lesen) an.

Abschlusskreis

Am Parkplatz angekommen runden wir den ereignisreichen Vormittag gemeinsam mit den Eltern mit einem kurzen Abschlusslied ab.

3.6 besondere Tage bei den Waldmäusen

- Einmal im Monat donnerstags ist Picknicktag: alle Kinder bringen etwas leckeres für´s Picknick mit- es wird alles in unserer Mitte plaziert und die Kinder können sich frei nach Herzenslust bedienen.

 -Einmal im Monat am Montag ist Spielzeugtag, an dem jedes Kind ein Lieblingsspielzeug mit in den Wald bringen kann.